09.06.2026 Pressemitteilung - Heutiger Artikel "Bisher wenig Interesse an Aktion "Mobil ohne Auto"

Kritische Rückmeldung der Wählergemeinschaft SOE – Senioren für Oer-Erkenschwick zur Aktion „Mobil ohne Auto“

Wen wundert es eigentlich, dass sich kaum Seniorinnen und Senioren für die dauerhafte Rückgabe ihres Führerscheins interessieren, wenn sie im Gegenzug lediglich ein dreimonatiges kostenloses Deutschlandticket erhalten? Der Führerschein bedeutet für viele ältere Menschen ein Stück Freiheit, Selbstständigkeit und Sicherheit. Ihn dauerhaft und unwiderruflich abzugeben, ist eine weitreichende Entscheidung. Ein zeitlich begrenztes Gratis-Abonnement über drei Monate dürfte für viele Betroffene schlicht kein ausreichender Anreiz sein.

Aus Sicht der Wählergemeinschaft SOE – Senioren für Oer-Erkenschwick zeigt die geringe Resonanz vor allem eines: Das Angebot ist in der Stadt offenbar viel zu wenig bekannt. Wem in Oer-Erkenschwick ist diese Aktion überhaupt geläufig? Viele Seniorinnen und Senioren erfahren von solchen Möglichkeiten nur zufällig oder gar nicht. Ganz nach dem Motto „Tue Gutes und sprich nicht darüber“ scheint die Öffentlichkeitsarbeit der Vestischen hier kaum stattzufinden.

Wenn in den Jahren 2025 und 2026 bislang nur fünf Menschen das Angebot genutzt haben, sollte man sich nicht über mangelndes Interesse wundern, sondern zuerst fragen, ob die Aktion überhaupt wirksam bekannt gemacht wurde.

Ein Blick in unsere Nachbarländer zeigt: Mobilität im Alter wird vielerorts unterstützt — teils durch Seniorenrabatte, teils durch kostenlose ÖPNV-Angebote, teils auch durch Gutscheine bei freiwilliger Führerscheinabgabe. Entscheidend ist aber überall: Solche Angebote müssen bekannt, verständlich und niedrigschwellig sein. Genau daran fehlt es in Oer-Erkenschwick offenbar bislang.

Warum schafft es die Vestische nicht, Informationsveranstaltungen direkt in unserer Stadt durchzuführen? Warum geht man nicht gezielt dorthin, wo Seniorinnen und Senioren tatsächlich anzutreffen sind — zum Beispiel in Vereine und Kirchengemeinden? Gerade bei einem Thema wie Mobilität im Alter reicht es nicht aus, ein Angebot irgendwo bereitzuhalten und darauf zu warten, dass die Menschen von selbst danach fragen.

Die Vestische müsste aktiv erklären, welche Vorteile das Deutschlandticket bietet, welche Verbindungen es in Oer-Erkenschwick gibt, wie zuverlässig Bus und Bahn im Alltag nutzbar sind und welche Unterstützung es beim Umstieg vom Auto auf den öffentlichen Nahverkehr gibt. Viele ältere Menschen haben berechtigte Fragen: Wie komme ich zum Arzt? Wie erreiche ich den Wochenmarkt? Was passiert bei Verspätungen? Gibt es sichere Haltestellen? Sind die Busse barrierearm? Genau diese Fragen müssten vor Ort beantwortet werden.

Die bisherige Öffentlichkeitsarbeit der Vestischen ist, gelinde gesagt, eine Katastrophe. Ein gutes Angebot allein reicht nicht aus, wenn es die Zielgruppe nicht erreicht. Wer Seniorinnen und Senioren zum Umstieg auf den ÖPNV bewegen möchte, muss Vertrauen schaffen, persönlich informieren und praktische Hilfen anbieten. Dazu gehören Informationsstände, leicht verständliche Flyer, direkte Ansprache über Vereine und Seniorengruppen sowie regelmäßige Veranstaltungen in Oer-Erkenschwick.

Die Wählergemeinschaft SOE – Senioren für Oer-Erkenschwick fordert daher, dass Stadt und Vestische gemeinsam prüfen, warum das Angebot kaum angenommen wird. Drei Monate kostenloses Deutschlandticket sind nett gemeint, aber sie ersetzen kein überzeugendes Gesamtkonzept für Mobilität im Alter. Wer ältere Menschen ernsthaft erreichen will, muss ihnen nicht nur ein Ticket anbieten, sondern auch zeigen, dass der öffentliche Nahverkehr im Alltag eine verlässliche Alternative zum eigenen Auto sein kann.

06.06.2026 Vestische antwortet nicht auf berechtigte Fragen der SOE

Die Wählergemeinschaft SOE Oer-Erkenschwick hat sich bereits am 19. Mai 2026 mit einem Schreiben an die Vestische Straßenbahnen GmbH gewandt. Darin haben wir konkrete Fragen zur geplanten Tarifreform gestellt.

Besonders kritisch sehen wir die mögliche Benachteiligung älterer Fahrgäste. Viele Seniorinnen und Senioren besitzen kein Smartphone oder fühlen sich im Umgang mit digitalen Anwendungen unsicher. Gleichzeitig sollen digitale Fahrten über „eezy.nrw“ deutlich günstiger sein als klassische Ticketangebote.

Das führt aus unserer Sicht zu einer problematischen Ungleichbehandlung: Wer digital unterwegs ist, fährt günstiger. Wer auf analoge Tickets angewiesen ist, zahlt deutlich mehr.

Bis heute hat die Vestische auf unser Schreiben nicht geantwortet.

Wir halten das für keinen angemessenen Stil im Umgang mit einer politischen Wählergemeinschaft, die berechtigte Fragen im Interesse vieler Bürgerinnen und Bürger stellt. Gerade wenn es um Seniorinnen und Senioren, soziale Teilhabe und bezahlbare Mobilität geht, erwarten wir eine sachliche und zeitnahe Antwort.

Bus und Bahn sind für viele ältere Menschen unverzichtbar – für Arztbesuche, Einkäufe, Behördengänge und soziale Kontakte.

Mobilität gehört zur öffentlichen Daseinsvorsorge. Sie muss für alle Menschen zugänglich und bezahlbar bleiben, unabhängig davon, ob jemand ein Smartphone besitzt oder digitale Bezahlsysteme nutzen kann.

Die SOE fordert daher erneut eine klare Stellungnahme der Vestischen:

  • Wie sollen ältere Menschen ohne Smartphone künftig bezahlbar mobil bleiben?
  • Welche Hilfs- und Beratungsangebote sind geplant?
  • Wird es dauerhaft faire analoge Ticketmöglichkeiten geben?
  • Wie wird digitale Ausgrenzung verhindert?

Schweigen ist keine Antwort. Seniorinnen und Senioren dürfen nicht abgehängt werden.

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